Neu: Allergie gegen rotes Fleisch

IgE-Bestimmung gegen alpha-Gal ist die beste diagnostische Methode

 

In der Grillsaison muss vermehrt mit einer neuen, noch unterdiagnostizierten Nahrungsmittel-Allergie gerechnet werden, die zu systemischen Reaktionen mit Urtikaria, Atemnot oder lebensbedrohlicher Anaphylaxie nach dem Verzehr von rotem Fleisch führen kann. Ursache ist eine Sensibilisierung gegen die Zuckerseitenkette alpha-Gal.

Bei dieser Allergie gegen rotes Fleisch bilden Betroffene IgE-Antikörper nicht gegen Proteine, sondern gegen eine Zuckerseitenkette und zeigen klinisch relevante Symptome. Die Sensibilisierung gegen alpha-Gal wird vermutlich durch einen Stich der Zecke Ixodes ricinus, dem gemeinen Holzbock, hervorgerufen. Zecken enthalten in ihrem Speichel das Oligosaccharid Galaktose-alpha-1,3-Galaktose, kurz alpha-Gal genannt. Auch rotes Fleisch wie Rind, Schwein, Lamm oder Wild und Gelatine enthalten alpha-Gal. Durch diesen ursächlichen Zusammenhang tritt diese Allergieform vermehrt bei Patienten auf, die regelmäßig Fleisch konsumieren und sich viel in der Natur aufhalten.

Eine alpha-Gal-Allergie kann plötzlich bei Menschen auftreten, die Fleisch vorher jahrelang problemlos vertragen haben. Im Gegensatz zu anderen Nahrungsmittel-Allergien treten die allergischen Symptome erst drei bis sieben Stunden nach dem Fleischverzehr auf. Als Symptome werden hauptsächlich generalisierte Hautsymptome, Juckreiz (besonders an Händen und Füßen), Angioödem, Atembeschwerden, gastrointestinale Beschwerden, bis hin zur Anaphylaxie beschrieben. Begünstigt werden die Symptome durch Co-Faktoren wie Sport, Infektionen, nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAIDs) wie Aspirin oder Alkohol. Die Reaktionsstärke ist abhängig von der konsumierten Fleischmenge, oft können kleine Portionen ohne Reaktionen vertragen werden.

Haut-Prick-Tests mit Fleisch geben oft nur schwache oder negative Resultate, deshalb ist die spezifische IgE-Bestimmung gegen alpha-Gal die bevorzugte diagnostische Methode. Therapeutisch sollten Zeckenstiche, Co-Faktoren und rotes Fleisch vermieden werden.